Die Bedeutung des Martini

Die Bedeutung des Martini

Die verschiedenen Martini-Bräuche wurzeln in zwei wohl zusammenhängenden Umständen. In der Christenheit lag der Martinstag zunächst am Beginn der 40-tägigen Fastenzeit ab dem 11. November, die vom Mittelalter teilweise bis heute – vor Weihnachten begangen wurde. Am letzten Tag vor Beginn der Fastenzeit – analog zur Fastnacht – konnten die Menschen noch einmal schlemmen. Daneben war der Martinstag auch der traditionelle Tag des Zehnts. Die Steuern wurden früher in Naturalien bezahlt, auch in Gänsen, da die bevorstehende Winterzeit das Durchfüttern der Tiere nur in einer eingeschränkten Zahl möglich machte.

Der Zehnte im Mittelalter

Bauern mussten den Teil ihrer Ernte abliefern, Handwerker den Teil ihrer Produktion. Der Zehnt war eine unabhängig von der Erntemenge festgelegte Abgabe. Er war auch bei Missernte, oder wenn die Fläche brach lag, in voller Höhe fällig. Er betrug je nach Region und Bodenqualität bis 30% der Ernte. 


In Europa wurden zur Aufbewahrung in den Dörfern spezielle große Scheunen, die Zehnt-scheunen, gebaut, die vielfach nach der Kirche die größten Bauwerke eines Dorfes darstellten. Der Pfarrer oder ein eigener Zehentner hoben den Zehent ein, wobei dieser meist vom Ze-hentholden selbst an einem Sammelpunkt wie dem Wirtschaftshof der Pfarre oder dem Zehenthof abzuliefern war. Ein einzelnes Kloster konnte über 60 Dörfer im Zehntbesitz haben.

Im Mittelalter wurde der aus dem Alten Testament stammende Zehnt erweitert. Man unterschied zwischen Grosszehnt und Kleinzehnt:

- der Grosszehnt war analog der Bibel auf Getreide und meist Großvieh zu entrichten
- der Kleinzehnt war zusätzlich auf andere Feldfrüchte als Fruchtzehnt (Küchenkräuter, Obst, Gemüse) und Kleinvieh zu entrichten. 

Daneben entwickelten sich weitere Zehntarten, die ebenfalls von Ort zu Ort unterschiedlich erhoben wurden:
- der Weinzehnt (auch Nasser Zehnten), auf gekelterte Weine zu entrichten
- der Heuzehnt, auf geerntetes Heu
- der Holzzehnt, auf geschlagenes Holz
- der Fleisch- oder Blutzehnt, auf geschlachtete Tiere bzw. Tierprodukte wie Fleisch, Eier und Milch
- der Neubruchzehnt oder Novalzehnt (in der Schweiz auch Neugrützehnt), auf Neu-bruch, das heißt auf durch Rodung nutzbar gemachtes Land.
- der Bergzehnt im Bergbau

 

Abschaffung des Zehnten

Nach der Reformation wurde der Zehnte in protestantischen Gebieten der Schweiz verstaatlicht. Im Ausgleich dazu übernahm der Staat die finanzielle Verantwortung für die Kirchen. In der Schweiz wurde der Zehnte im 19. Jahrhundert mit der Bildung des modernen Bundesstaats abgeschafft. In vielen Fällen war die Abschaffung des Zehnten mit einer Ablösesumme verbun-den, die oft zu starker und langer Verschuldung der Bauern führte. Um das nötige Geld zur Verfügung zu stellen wurden Sparkassen gegründet.