Die Geschichte des Zürcher Bauernverbandes

Die Geschichte des Zürcher Bauernverbandes von 1842 bis heute

 

1747 wurde mit der Gründung der landwirtschaftlichen Abteilung der naturforschenden Gesellschaft der erste Vorläufer des Zürcher Bauernverbandes ins Leben gerufen. Ziel der Abteilung war die Verbreitung der landwirtschaftlichen Fachbildung durch Veröffentlichen von Anleitungen zum Landbau. Dies entsprach zu dieser Zeit einem grossen Bedürfnis, da die Landwirtschaft zu dieser Zeit endlich frei von Zöllen und Zehnten die Produktion ausweiten konnte.

Anfang des 19. Jahrhunderts trat die Aufgabe der Fachbildung immer mehr in den Hintergrund. Im Gegenzug wurde der gegenseitige Austausch bezüglich Fortentwicklung der Agrargesetzgebung im wichtiger. So gründeten am 23. Dezember 1842 rund 50 vorausschauende Landwirte und Freunde der Landwirtschaft den Zürcherischen Verein für Landwirtschaft und Gartenbau (ZLKV). Hauptzwecke waren die technische Förderung der Landwirtschaft sowie der Kampf um das wirtschaftliche Bestehen des Bauernstandes. Zur Umsetzung wurden Mittel wie Ausstellungen, Publikationen gewonnener Resultate, die Anlegung einer Bibliothek und der gegenseitige Informations- und Erfahrungsaustausch durch ein Blatt ins Leben gerufen. Der «Zürcher Bauer» war geboren.

Bereits wenige Jahre nach seiner Gründung rückte der Gartenbau zunehmend in den Hintergrund und man beschränkte sich auf das Tätigkeitsfeld Landwirtwirtschaft. In weiser Voraussicht förderte der Vorstand damals die Bildung von landwirtschaftlichen Lokal- und Kreisvereinen. Der Grundstein für die späteren Bezirksvereine und die heute tragenden Säulen des ZBV war damit gelegt. Der Vorstand des ZLKV beschäftigte sich bereits damals mit Themen wie Einfuhrregelungen, die landwirtschaftsfeindliche Preispolitik sowie die Sicherstellung bzw. Erhöhung des Selbstversorgungsgrades.

1909 wurde an der Delegiertenversammlung des ZLKV der Antrag auf eine Reorganisation gestellt. Es wurde beschlossen, den Vorstand auf neun Mitglieder zu beschränken, dafür jedoch sieben Fachkommissionen ins Leben zu rufen. Mehr als 100 Jahre später haben sich zwar die Namen und Funktionen der einzelnen Fachkommissionen geändert, sie haben jedoch noch immer Bestand und sind das eigentliche Herzstück des heutigen Zürcher Bauernverband (ZBV).

Der ZLKV engagierte sich neben den wirtschaftspolitischen Aktivitäten auch immer wieder für die in Not geratenen Landwirte und unterstützte sie nach Unwettern mit neuem Saatgut, organisierte Spendensammlungen und leistete finanzielle Hilfe. Ein Engagement, das häufig auch nur durch die grosse Hilfsbereitschaft der Mitglieder und ihr herausragendes Engagement zu Stande kam.

Insbesondere im ersten Weltkrieg und den unsicheren Jahren unmittelbar danach war der Vorstand des Kantonalvereins gefordert. Der katastrophale Preiszerfall in der Nachkriegszeit und die folgende Wirtschaftskrise in den 30er Jahren brachte viele Betriebe an den Rand ihrer Existenz. Auf nationaler Ebene unterstützte der ZLKV die Vorstösse des 1897 gegründeten Schweizer Bauernverbands zu Preisstützungsmassnahmen, zur Förderung des Obst- und Kartoffelbaus sowie zur Revision des Bundesgesetzes.

Während des zweiten Weltkriegs waren die Vorstandsitzungen des ZLKV geprägt von Fragen zur Beschaffung von Arbeitskräften und dem militärischen Urlaubswesen. Fragen zur Preispolitik rückten in den Hintergrund. Diese wurden dafür in der Nachkriegszeit wieder aktuell. Der Kantonalverein setzte sich dafür ein, dass sich ein Preiszusammenbruch wie nach dem ersten Weltkrieg nicht mehr wiederholte. Dazu unterstützte er die Landwirte bei der Beschaffung von ausländischen Arbeitskräften, der Verwertung von Schlachttieren, mit der Gründung der landwirtschaftlichen Bürgschaftsgenossenschaft sowie bei der fachlichen Weiterbildung des Bauernstandes.

Das Sekretariat des ZLKV vergrösserte sich in den folgenden Jahrzehnten durch die ständig zunehmenden Aufgabenbereiche. Das Versicherungswesen wurde zu einem wichtigen Teil des Vereins, die BGB-Partei (Bauern-, Gewerbe- und Bürgerpartei und heutige SVP) wurde vom Sekretariat betreut und der «Zürcher Bauer» musste zweimal pro Woche redaktionell aufbereitet werden.

Im Zuge der Statutenrevision hat sich der ZLKV im Jahre seines 150-jährigen Bestehens einen neuen Namen gegeben: Zürcher Bauernverband. An der Delegiertenversammlung vom 30. März 1992 wurden die neuen Statuten genehmigt, welche den Bezirksvereinen die Delegiertenrechte und somit mehr Kompetenz verliehen, sie aber auch in die Verantwortung und Pflicht nahmen. Mit einem neuen Logo, welches bis heute Bestand hat, wurde der Auftritt des ZBV besiegelt.

Bis heute geniesst der ZBV in der Zürcher Landwirtschaft eine hohe Akzeptanz. Seine Dienstleistungspalette hat sich weiterentwickelt. Die betriebswirtschaftliche Beratung, Versicherungsberatung für Personen- und Sachversicherungen sowie die Regionalstelle der Krankenkasse Agrisano ist heute beim ZBV angesiedelt. Darüber hinaus gibt das Sekretariat auch nach 175 Jahren wöchentlich den «Zürcher Bauer» heraus. Wie statuarisch festgehalten verfolgt der ZBV das Ziel der wirtschaftlichen, politischen, technischen sowie sozialen und kulturellen Förderung der Zürcher Landwirtschaft.

Rückblickend steht fest, dass sich die Rahmenbedingungen für die Landwirtschaft in den letzten 175 Jahren durch die Mechanisierung und Rationalisierung, durch den internationalen Handel sowie die gesellschaftspolitische Entwicklung massiv verändert haben. Die ursprünglichen Hauptaufgaben des ZLKV zur technischen Förderung der Landwirtschaft sowie der Kampf um das wirtschaftliche Bestehen des Bauernstandes haben sich jedoch über all die Jahre kaum gewandelt.